zurück

 

Geschichte Teil 2

Die Gründerjahre
 

 

Lilly Bühring

Im Mai 1892 trafen sich einige Bürger aus dem Dorfe Ellwürden in der Gaststätte W. Stindt mit der Absucht, einen Bürgerverein zu gründen. Zu dieser Zeit gab es schon einen Kriegerverein. Der Gerichtsvollzieher Jann Backenköhler leitete mehrere Jahre als 1. Vorsitzender diesen neu gegründeten Bürgerverein. Die Ziele waren: Förderung der Dorfgemeinschaft, Pflege der heimatlichen Sitten und Gebräuche sowie der plattdeutschen Sprache.

Die Versammlungen
Der Bürgerverein hatte 1924 ca. 115 zahlende Mitglieder. Heute* können wir auf die stolze Zahl von mehr als 500 Mitglieder blicken.

Für die Protokolle zeichnete 1925 Johannes Bartels als Vorsitzender und Gustav Dierks als Schriftführer verantwortlich. Zweiter Vorsitzender war Georg Schwarting und Kassenwart Otto Claussen.

Der Name Bürgerverein Ellwürden änderte sich 1935 in Dorfgemeinschaft Ellwürden und Umgegend. In der Zeit des "Dritten Reiches" eröffnete der Vorsitzende jede Versammlung mit einem Gruß an den "Führer" Adolf Hitler. Bei Satzungsverstößen erfolgte automatisch ein Vereinsausschluß; ein strafrechtliches Vergehen zog eine sofortige Streichung aus der Mitgliederliste nach sich.

Am 19. März 1939 legte Johannes Bartels nach 25jähriger Vereinsführung aus Altersgründen sein Amt nieder. Die Versammlung ernannte ihn einstimmig zum Ehrenvorsitzenden. Sein Nachfolger wurde Gustav Dierks. Der neue Schriftführer hieß Gustav Lübben.

Weichnachten 1939 wurde 13 Soldaten ein Päckchen mit Rauchwaren im Werte von 2,50 RM an die Front geschickt. Allen Soldaten wurde der Mitgliedsbeitrag erlassen. Die beiden Verwundeten Wilhelm Barg und Edo Ahrien erhielten 1941 Aufmerksamkeiten für 24,- RM.

Von April 1945 bis Dezember 1947 ruhte das Vereinsleben vollständig, da von den Alliierten jede Vereinstätigkeit untersagt wurde. Trotzdem hielt der Vorstand im Geheimen zumindest die Sterbekasse aufrecht.

Die erste Hauptversammlung nach dem Kriege fand am 7. Dezember 1947 statt. Gewählt wurden Wilhelm Barg zum 1. Vorsitzenden, Emil Vahl zum Kassenwart, Heinrich Riemeier zum Sterbekassenwart und Edo Barre zum Schriftwart. Der bisherige langjährige Vorstand versprach, weiterhin mit Rat und Tat gerne zur Seite zu stehen. Ein neuer Anfang war gemacht. Auf der Jahreshauptversammlung im Mai 1948 wurde Gustav Dierks dann einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Am 30. Mai 1948 beschloß die Versammlung, Vereinsgrenzen zu ziehen, weil der Verein angeblich zu stark wurde. Im Süden Lübben/ Sieltief Brücke, im Westen Judentum/ Infelder Weg, im Norden Bahnhof Ellwürden und im Osten Klein-Königsfeld, Großensiel. Außerhalb dieser Grenzen wohnende Bürger konnten nun nicht mehr Mitglied werden. Dieser Beschluss wurde am 28. Januar 1951 wieder aufgehoben.

Es wurde 1950 beschlossen, in Zukunft die Versammlungen reihum bei Tieke - Ellwürder Hof - , Lilly Bühring - Ellwürder Bahnhof - und im Vereinslokal Appelhoff - Ellwürder Dorfkrug - abzuhalten, während die Vergnügungen weiterhin beim Vereinswirt stattfinden sollten.

 

Alte Dorfstraße

Am 17. Dezember 1950 fand die erste Versammlung des Bürgervereins mit Frauen im Bahnhof Ellwürden statt.

Die Generalversammlung beschloß am 18. Januar 1951, die Zahl der Ehrenmitglieder möglichst auf sechs zu begrenzen.

Ab 1952 einigte man sich darauf, in Zukunft vor Beginn jeder Versammlung die erste Strophe und am Schluß die zweite Strophe von Hurra Butjarland zu singen. Heute singen wir nur noch am Schluß einer Versammlung die erste Strophe.

Wegen einiger Differenzen zwischen Vorstand und Mitgliedern war die Amtszeit des neuen Vorstandes nur kurz. Bereits am 17. Dezember 1950 legte der Vorstand seine Arbeit nieder. Um den Vorsitz nicht verwaisen zu lassen, übernahm Gustav Dierks bis zur nächsten Generalversammlung kommissarisch das Amt des Vorsitzenden. Sein Stellvertreter wurde Otto Lübsen, Kassenführer Günther Appelhoff und Schriftführer Heinz Pundt. So blieb es bis zur Generalversammlung am 28. Januar 1952, wo einstimmig der Vorsitz August Hedenkamp übertragen wurde. Stellvertreter blieb Otto Lübsen.

Eine Sonderkasse zugunsten des Denkmalfonds legte man 1956 an. Zu dieser Zeit bemühte sich der Verein darum, daß der Gemeinderat in den Sommermonaten einige Gemeinderatssitzungen bei Appelhoff in Ellwürden abhielt.

1977: Ellwürder Garde marschiert beim
Umzug zur Nordenhamer Woche mit.

 

Zwei Jahre später übermittelte man der Gemeindeverwaltung Vorschläge für Ellwürder Straßennamen, die sich auf historische Daten oder Flurbezeichnungen bezogen. Hierbei half der Heimatforscher Eduard Krüger. Beispiele hierfür sind: Am Panzenberg, Am Osterberg, Up de Bult.

Im Jahre 1958 löste Bernhard Freese den bisherigen Vorsitzenden August Hedekamp - der wegen Krankheit sein Amt aufgab - und Harry Mothes den langjährigen Kassierer Günther Appelhoff ab.

Auf der Generalversammlung am 25. Januar 1959 fand abermals ein Wechsel im Amt des Vorsitzenden statt. August Hedenkamp wurde wieder Vorsitzender, Bernd Freese und Georg Barre Stellvertreter.

Nachfolger von Schriftführer Hans Eilers - seit 1954 - wird am 31. Januar 1960 Georg Penshorn. Zwischendurch protokollierten im Jahre 1960 Martha Hedenkamp und Tochter Elke und 1965 Hannelore Frerichs.

Zur Denkmalseinweihung am 17. Juni 1959 auf dem Abbehauser Friedhof am Sieltief legte der Verein einen Kranz nieder. Die Vereinsfahne trugen Männer, deren nächste Angehörige im Kriege geblieben sind.

Namhafte Politiker wie Landrat Müller und Bürgermeister Fuhrken nahmen am 21. Januar 1961 an der Generalversammlung teil. Es ging hauptsächlich um die Anlegung eines Rad- und Fußgängerweges entlang der Bundesstraße 212, Verlängerung bis zur Großensieler Straße und Übernahme des Bahndammes.

Auf der Generalversammlung am 27. Januar 1962 wird dem Vorstand ein Bild der Ellwürder Eiche vom Ehrenvorsitzenden Gustav Dierks übergeben. Alle vier Monate soll das Bild im Wechsel bei den Gastwirten Lilly Bühring, Richard Appelhoff und Wolfgang Ebeling hängen.

Auf der Frühjahrsversammlung am 20. Mai 1962 erhält Vorsitzender August Hedenkamp von Gustav Dierks ein weiteres Bild. Es stellt den Grundriß von Ellwürden im Jahre 1888 dar.

Bemerkenswert ist, daß die flutgeschädigten Hermann Rüdebusch, Großensiel, und Hans Thilo, Hamburg, auf der Generalversammlung am 26. Januar 1963 eine Geldspende von 170,- DM erhielten. Sie setzte sich aus dem Erlös einer Verlosung und einem Zuschuß aus der Vereinskasse zusammen.

Der Heimatforscher Edo Pille hielt auf einer Herbstversammlung im Jahre 1963 vor begeisterten Zuhörern einen Vortrag mit Lichtbildern über unsere nähere Heimat.

Waldemar Wippich übernahm 1967 - dem 75. Jubiläumsjahr - den Vorsitz. Sein Stellvertreter war August Wessels, Schriftführer Anton Eikermann und Kassenführer Karl-Heinz Wedemeyer, der Bruno Groth ablöste. Der bisherige Kassierer Bruno Bagnewski wurde wiedergewählt.

Der Mitgliedsbeitrag erhöhte sich durch einstimmigen Beschluß im Januar 1968 auf 6,-DM.

 

Vorsitzender August Hedenkamp

 

Am 12. Dezember 1970 wurde zum ersten Male über eine eventuelle Eintragung des Bürgervereins in das Vereinsregister beraten. Die Eintragung erfolgte aber erst im Jahre 1978.

Der Bürgerverein Ellwürden nahm 1974 und 1978 mit einer Abordnung am Umzug zur Nordenhamer Woche teil. 1977 marschierte die Garde des Ellwürder Karnevals bei diesem Umzug mit.

Karl-Heinz Strudthoff übernahm 1977 den Vorsitz unseres Vereins. Sein Stellvertreter wurde Udo Schröder. Seit 1976 nahm Dieter Oonk die Kassengeschäfte wahr, und Dettmar Neels führte ab 1979 das Protokoll.

In den Jahren 1980, 1981 und 1983 zeigte Dettmar Neels einen vertonten Dia-Vortrag über das Vereinsleben des Bürgervereins.

Im Mai 1984 zeigte Gerold Schwarting einen Diavortrag: Der Bürgerverein vor 25 Jahren. Er fand viele interessierte Zuschauer.

Seit 1986 leitet Udo Schröder die Geschicke des Vereins. Kassenwart ist Ulrich Schröder. Seit dieser Zeit unterstützt Silvia Naumann Dettmar Neels bei der Protokollführung.

Der Jahresbeitrag erhöhte sich 1987 auf DM 10,- pro Familie und DM 6,- pro Einzelmitglied. Bislang wurde der Beitrag durch Hauskassierer gehoben*.

An der 1200-Jahr-Feier des Ortes Blexen im Jahre 1989 nahm der Bürgerverein mit einer Abordnung teil.

Nicht unerwähnt bleiben darf unser unvergessener Zeitungsreporter Friedrich Frerichs, der viel für den Verein getan hat.

 

* Der Text entstammt der Festschrift zum 100. Vereinsjahr 1992

 

 

 

Zum Seitenanfang | Zur letzten Seite